Cloud-Transformation zu SAP S/4HANA: Strategie & Security 2026
Der Umstieg auf SAP S/4HANA ist weit mehr als ein technisches Upgrade – es ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel. Im Jahr 2026 ist die Frage nicht mehr, ob ein Unternehmen in die Cloud geht, sondern wie es dies tut, ohne die Kontrolle über seine sensibelsten Geschäftsdaten zu verlieren. Die Cloud-Transformation bietet enorme Chancen für Agilität, stellt aber das klassische Sicherheitsmodell der On-Premise-Welt völlig auf den Kopf.
1. Die drei Wege in die Cloud: Eine strategische Wahl
Bevor die erste Zeile Code migriert wird, steht die Entscheidung über das Betriebsmodell. Jedes hat spezifische Auswirkungen auf Ihre Security-Architektur:
- Public Cloud (SaaS): Maximale Standardisierung. SAP kümmert sich um die Infrastruktur und die Basis-Sicherheit. Sie konzentrieren sich auf die Geschäftsprozesse.
- Private Cloud: Maßgeschneiderte Umgebungen mit höherer Flexibilität. Ideal für Unternehmen mit komplexen regulatorischen Anforderungen (z.B. Energiewirtschaft).
- Hybrid Cloud: Eine Mischform, bei der kritische Daten On-Premise bleiben, während innovative Funktionen aus der Cloud bezogen werden.
2. Das Shared Responsibility Model verstehen
Einer der häufigsten Fehler in der Cloud-Transformation ist die Annahme, dass der Cloud-Provider (SAP oder Hyperscaler wie Azure/AWS) für die gesamte Sicherheit verantwortlich ist. Das ist ein gefährlicher Trugschluss.
In der Cloud gilt die geteilte Verantwortung:
- Der Provider sichert die physischen Rechenzentren, die Virtualisierungsschicht und die Hardware ab.
- Sie als Kunde bleiben verantwortlich für das Identity & Access Management (IAM), die Datensicherheit innerhalb der Applikation, das Customizing und die Absicherung der Schnittstellen (APIs).
3. Security-Herausforderungen bei der Migration
Ein „Lift and Shift“ ( Brownfield-Ansatz), bei dem alte Berechtigungskonzepte und unsauberer Code einfach in die Cloud kopiert werden, ist ein massives Sicherheitsrisiko.
- Bereinigung von Altlasten: Nutzen Sie die Transformation für einen „Security Clean-up“. Löschen Sie veraltete User-Accounts und überarbeiten Sie kritische Rollen (SoD – Segregation of Duties).
- API-Security: In der Cloud kommuniziert SAP permanent mit Drittsystemen. Jede API ist ein potenzielles Einfallstor und muss durch moderne Protokolle (OAuth 2.0, JWT) und Web Application Firewalls (WAF) geschützt werden.
- Data Residency & Compliance: Für Unternehmen in Deutschland ist die Einhaltung der DSGVO und – bei KRITIS-Relevanz – der NIS-2-Richtlinie Pflicht. Die Verschlüsselung der Daten (At Rest und In Transit) muss nach dem aktuellen Stand der Technik erfolgen.
4. Der „Clean Core“ Ansatz als Sicherheitsvorteil
SAP propagiert zu Recht den Clean Core. Das bedeutet: Halten Sie den Standard-Kern des Systems frei von individuellen Modifikationen. Erweiterungen sollten über die SAP Business Technology Platform (BTP) erfolgen. Aus Security-Sicht ist das ein Geniestreich: Sicherheitsupdates für den Kern können schneller eingespielt werden, ohne dass individuelle Anpassungen das System lahmlegen. Das reduziert die Zeitfenster für Exploits massiv.
Fazit: Transformation als Chance für „Security by Design“
Die Cloud-Transformation zu SAP S/4HANA ist der perfekte Zeitpunkt, um IT-Sicherheit von einem nachgelagerten Prüfpunkt zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie zu machen. Wer die Cloud-Reise mit einem soliden Governance-Framework und einem klaren Blick auf die geteilte Verantwortung antritt, gewinnt nicht nur an Geschwindigkeit, sondern auch an Resilienz.